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Plädoyers für die Fiktion

Ich habe mein selbst auferlegtes Exil genutzt, um mir ein bisschen Gedanken über Spielstile zu machen. Insbesondere über diejenigen Spielstile, bei denen die gemeinsam erschaffene Fiktion der Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist. In den folgenden Tagen/Wochen werde ich mehrere Unterformen dieser Art zu spielen vorstellen, und für jede einzelne von Ihnen ein Plädoyer schreiben. Die allermeisten davon habe ich am eigenen Leibe erfahren. Ich mag sie nicht alle gleich gerne, aber ich werde alle gleichermaßen ihrer Vorzüge rühmen. Vorangestellt ein paar grundlegende Dinge.

1) Ich werde mich in meinen Plädoyers ausschließlich auf funktionale Spielstile beziehen, d.h. auf Stile, die (bewusst oder unbewusst) konsequent umgesetzt werden und bei den Beteiligten eine positive Reaktion auslösen, einfacher gesagt: die Spaß machen. Stabile Prioritäten im Hinblick auf reale Abläufe und auf fiktionale Inhalte, mit regelmäßigen Zeichen des Gefallens auf zwischenmenschlicher Ebene.

Am Rande werde ich auch darauf eingehen, was passiert, wenn man vergeblich versucht, einen bestimmten Spielstil mit diesem „Begeisterungsmoment“ umzusetzen. Viele der Vorbehalte gegen sogenanntes „Stimmungsspiel“ (was immer das genau ist) basieren auf Erfahrungen mit solchen gescheiterten Runden, bei denen es regelmäßig an bestimmten Fähigkeiten und Werkzeugen oder ggf. auch einfach am Interesse fehlt. Fälschlicherweise wird dann das (angeblich) angestrebte Ziel, der Spielstil, für das Debakel verantwortlich gemacht. Tatsächlich hapert es aber nur an der Umsetzung, oder die Zielsetzung verfehlte den Geschmack der Mitspieler.

Natürlich muss auch nicht jedes Scheitern, einen Spielstil erfolgreich umzusetzen, gleich im Debakel enden. Wenn alle Mitspieler sich wie erwachsene Menschen verhalten, bleibt es normalerweise bei einem größtenteils langweiligen, teilweise frustrierenden, an bestimmten Punkten vielleicht auch unterhaltsamen Zeitvertreib, der jedoch den Aufwand nicht wirklich rechtfertigt und besser durch etwas anderes ersetzt würde.

2) Ich werde mich bei meinen Plädoyers auf typisierte Merkmale bestimmter gebräuchlicher Spielstile konzentrieren. Dabei sind diese selten in Reinform vorhanden, oft untereinander kombiniert oder auch mit Elementen von Spielstilen gewürzt, die in meinen Plädoyers gar nicht auftauchen, weil sie keine Priorität auf die Fiktion setzen. Am Rande werde ich darauf eingehen, welche Elemente hier möglicherweise häufig vertreten sind. Es geht mir jedoch im Sinne eines Leitbildes um die prägenden Elemente eines Spielstils, die im Mittelpunkt der gemeinsamen Begeisterung für die Fiktion stehen und das Spiel als dauerhafte Spaßquelle zusammenhalten.

Andere Elemente können unterstützend hinzutreten und ggf. einen wichtigen Beitrag zum Spielspaß in der jeweiligen Gruppe leisten, sodass sie keineswegs zu vernachlässigen sind. Dennoch funktioniert das gemeinhin nur so lange, wie diese Elemente sich im Einklang mit der übergeordneten Priorität befinden und dieser nicht ins Gehege kommen.

3) Keiner der von mir erwähnten Spielstile ist Abenteuerrollenspiel nach bekannter Definition. Zwar legen die Verfechter des Abenteuerrollenspiels gesteigerten Wert darauf, dass „ihr“ Rollenspiel natürlich kein reines Powergaming und Munchkinism im Sinne von Punkte sammeln und Gegner plätten sei. Dass Konsistenz der Fiktion, Glaubhaftigkeit, Charakterdarstellung, Atmosphäre usw. durchaus ihren Platz im Abenteuerrollenspiel hätten. Das sei ihnen unbenommen.

Ich bilde mir ein, auch schon die ein oder andere funktionale Runde Abenteuerrollenspiel erlebt zu haben, und in der Tat ist hier eine konsistente Fiktion ein wesentlicher Spaßfaktor. Diese konsistente Fiktion ist jedoch nicht prägend. Sie ist nicht Mittelpunkt der gemeinsamen Begeisterung für das Spiel, und sie ist nicht das, was das Spiel zu einer dauerhaften Spaßquelle für die Beteiligten macht.

Einfallsreichtum. Konzentration. Kombinationsgabe. Wissen. Taktik. Strategie. Mut. Glück. Gewinnen. Verlieren. Wieder aufstehen und es erneut versuchen. Beim Abenteuerrollenspiel sind all diese Dinge wichtig, auf der Ebene der Spieler. Der Spieltisch, wie ich es genannt habe, hat Priorität. Die Fiktion ist keine Ausrede dafür, ein Loser zu sein. Entweder du reißt was, oder du reißt nichts. Du, der Spieler. Klar spielst du so, dass es zu deinem Charakter passt. Das ist Teil der Herausforderung. Aber es fühlt sich einfach von Grund auf anders an als ein Spielstil, bei dem die Fiktion, und nicht der Spieltisch, Priorität genießt. Und es ist auch nur sehr bedingt kompatibel. Das wird hoffentlich durch die einzelnen Plädoyers noch deutlicher werden.

4) Zwei Rollen, die die Mitspieler im Hinblick auf die Fiktion beim Rollenspiel übernehmen, werden immer wieder auftauchen: Die Rolle des Autors, also desjenigen, der fiktionale Inhalte beisteuert, und die Rolle des Zuschauers, also desjenigen, der das gemeinsame Produkt aufnimmt und würdigt. Beide Rollen sind bei jeder Art von Rollenspiel vorhanden, bei Fiktions-lastigem Rollenspiel sind sie aber von besonderer Bedeutung, wohingegen bei Spieltisch-lastigem Rollenspiel andere Rollen in den Vordergrund treten. Dabei ist zu beachten, dass die Zuschauer-Rolle genauso wichtig ist wie die Autoren-Rolle: Ich kann zwar auch für mich selbst Spaß daran haben, mir Sachen auszudenken, aber als gemeinsame Aktivität funktioniert Rollenspiel nur dann, wenn die jeweiligen Autoren auch die Aufmerksamkeit und den Applaus der Zuschauer bekommen. Natürlich können die Rollen unterschiedlich verteilt sein und auch wechseln, darauf werde ich bei den einzelnen Spielstilen näher eingehen.

Ein Problem bei der Autoren-Rolle ist immer, dass die Beiträge anderer Mitspieler potentiell dazu geeignet sind, mit meiner Vorstellung von der Fiktion oder meinem Plan, wie es weitergehen sollte, in Konflikt treten können. Gerade wenn die Fiktion den Dreh- und Angelpunkt des Spiels darstellt, ist es für den Spielspaß von entscheidender Bedeutung, solche Konflikte zufriedenstellend aufzulösen. Auch auf Strategien für diese Konfliktlösung wird einzugehen sein.

Zur Vertiefung:
Würfel mal auf Rollenspieltheorie
Die Fiktions-Polarität und GNS
Back 2 Sim
Glaubwürdigkeit und ihre Quellen
Back 2 Vanilla?!
23.1.07 19:56
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Skyrock (24.1.07 23:18)
"Keiner der von mir erwähnten Spielstile ist Abenteuerrollenspiel nach bekannter Definition."
Schade. Ich halte die zur fiktionalen Ebene orientierten Spielstile aber trotzdem für ein spannendes Thema, da sie bisher nur wenig beackert wurden, und warte gespannt auf das was da kommt.


kirlow (30.1.07 17:09)
ein sehr löbliches Unterfangen! Ich bin schon sehr gespannt, was da so alles kommt. Es wäre schön, wenn Du schon mal einen kleinen Überblick geben könntest, was uns da so alles erwartet, also gewissermaßen ein vorab Inhaltsverzeichnis.
Auf jeden Fall freue ich mich auf die neue Serie.

Grüße
kirilow


Frank (31.1.07 14:40)
Auf ein Vorab-Inhaltsverzeichnis habe ich bewusst verzichtet, da ich die Dinge immer erst beim Aufschreiben zuende durchdenke.

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