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Intensität

In letzter Zeit gewinne ich viel mehr aus persönlichen Gesprächen als aus Internet-Diskussionen. In diesem Fall Dank an Ralf und Harald. Hier ein paar Gedanken zum Thema Intensität.

Rollenspiel unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Medien wie Buch, Comic, Bühne, Kino oder Fernsehen. Doch es hat auch vieles mit ihnen gemeinsam. Ein Roman oder Film erzählt eine Geschichte, genau wie eine Rollenspielsitzung. Es geht um fiktive Personen in einer fiktiven Umgebung und um ein fiktives Geschehen. Beim Rollenspiel kommen noch weitere Dynamiken jenseits der Fiktion hinzu, aber die Fiktion ist definierendes Merkmal.

Fiktion kann denjenigen, der sie sich vorstellt, zu einem ganz unterschiedlichen Grad fesseln und berühren. Dies gilt für Bücher und Filme ebenso wie für Rollenspiel. Viel hängt von der Tagesform ab, von den Rahmenbedingungen, und natürlich auch vom Inhalt der Fiktion. Manche Menschen sind in der Lage, sich für die Fiktion weit zu öffnen und das fiktive Geschehen total an sich heran zu lassen. In diesem Zusammenhang fällt dann gerne das Wort „Immersion“. Ich persönlich spreche lieber von Intensität.

Zum Beispiel der Film Butterfly Effect. Viele Leute gucken sich den an und finden ihn ganz witzig, seine überraschenden Wendungen unterhaltsam, grübeln ein bisschen mit, wie der Protagonist die Sache wieder in Ordnung bringen könnte. So wäre es mir vielleicht auch gegangen, wenn ich ihn an einem anderen Tag, unter anderen Umständen geguckt hätte. Aber als ich ihn angeschaut habe, habe ich keine emotionale Schutzwand errichtet. Ich habe ihn eins zu eins voll an mich herangelassen, mich voll in die verschiedenen Figuren und ihre grausamen Schicksale in den einzelnen alternativen Realitäten hineinversetzt. Der Film hat mich total aufgewühlt, und ich habe mehrere Tage gebraucht, um ihn zu verarbeiten.

Sich derartig für eine Rollenspiel-Fiktion zu öffnen, ist zugleich einfacher und schwerer: Einfacher, weil man einen der Akteure (als SL sogar mehrere) selbst steuert. Schwerer, weil man nicht bloß rezipiert, sondern gleichzeitig auch noch kommunizieren muss. Und weil man nicht unbeobachtet ist.

Ich glaube, eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste, Trennlinie zwischen Rollenspielern verläuft zwischen jenen, die eine solche Intensität schon einmal erlebt haben, und jenen, die das nicht haben. Ich habe sie erlebt, und lange als Ideal angestrebt, bis ich erkannte, dass man sie nicht auf Befehl erzeugen kann und dass es auch noch viele andere Dinge am Rollenspiel gibt, die Spaß machen. Trotzdem ist diese Art von Intensität für viele Rollenspieler synonym mit „gutem Rollenspiel“. Einfach weil es einen unglaublich tiefen, bleibenden Eindruck hinterlässt und es leicht fällt das Gefühl zu bekommen, man hätte sich eine neue, höhere Ebene des Rollenspiels erschlossen.

Ich glaube, dass es in erster Linie eine Frage der eigenen Veranlagung, in zweiter Linie eine Frage der Mitspieler ist, ob man eine solche Intensität erreichen kann. Es geht dabei ja auch um Selbstschutz, denn Intensität ist nicht immer angenehm. Meine Gedanken zum Verhältnis von System und Intensität schreibe ich bei Gelegenheit noch mal in einem eigenen Artikel nieder. Mein Punkt hier ist: Solch hohe Intensität ist nicht für jedermann, und Rollenspiel ohne eine solche Intensität ist kein „schlechtes“ Rollenspiel, solange es Spaß macht. Niemand ist ein „schlechter Rollenspieler“, weil er solche Intensität nicht will, nicht versteht, sie ihm vielleicht sogar Unbehagen bereitet.

Andererseits möchte ich auch um Verständnis für jene werben, sie derart intensives Rollenspiel als eine Art „höhere Ebene“ des Rollenspiels betrachten. Es ist immer eine Frage des Blickwinkels. Ist dein Hobby „nur“ ein schöner, kurzweiliger Zeitvertreib, oder beschert es dir Erlebnisse, die dich im Kern deines Wesens berühren?
4.6.07 12:55


Leichtes Spiel

Ich habe es neulich schon in meinem Plädoyer zur Entdeckungsreise angesprochen: Nicht jeder, der eine Mission will, will auch eine schwere Mission. Das habe ich gerade wieder festgestellt, nachdem ich mich doch endlich überreden ließ, die World of Warcraft zu erkunden. Millionen Menschen weltweit finden es total unterhaltsam, Stunden und Tage ihrer Freizeit dafür zu verwenden, Questen zu spielen, die einfach jeder schafft. Die so leicht sind, dass man sich so dämlich anstellen kann, wie man will, und sie immer noch schafft. Und haben Spaß dabei.

Das gilt auch für P&P-Rollenspiel! Und nicht nur für Missionen. Ich selbst spiele gern mit Anspruch: Ich lasse beim Rollenspiel gern meine Kreativität und intellektuelle Leistungsfähigkeit aufblitzen, und schätze es, wenn meine Mitspieler das ebenfalls tun. Das habe ich mit den meisten aktiven Mitgliedern dieser kleinen deutschen Online-Community gemeinsam. Andere, die viel online über Rollenspiel schreiben, sind vielleicht etwas mehr oder weniger anspruchsvoll, oder ihre Ansprüche gehen in eine andere Richtung. Aber anspruchsvoll sind wir alle.

Das gilt aber nicht für alle anderen Rollenspieler da draußen. Vielen reicht es, sich einfach irgendwie eine fremde Welt vorzustellen, und eine Figur in der fremden Welt, mit der sie sich irgendwie identifizieren und der interessante Dinge passieren. Damit ihnen nicht langweilig wird, wollen sie schon irgendwie auch was zu tun haben: Eine Mission vielleicht, oder ein Plot. Oftmals kommt der Plot ja auch im Gewande einer Mission daher. Aber richtig schwierig soll es nicht sein. Es darf gerne recht offensichtlich sein, was zu tun ist. Der SL darf den Wink mit dem Zaunpfahl geben. Die Spieler machen dann, was von ihnen erwartet wird, und alles ist gut.

In den Internet-Diskussionen findet man oft gewisse Vorbehalte gegen solches Spiel. Dieses sei „casual“, da könne man doch auch gleich was anderes machen, es sei nur routinemäßiges Abspulen erlernter Verhaltensweisen. Den Spielern wird unterstellt, sie würden das nur so machen, weil sie nichts Besseres wüssten. Weil sie das, was sie wirklich vom Rollenspiel wollen, noch nicht gefunden haben. Oder weil sie sich eigentlich gar nicht besonders für Rollenspiel interessieren, sondern nur mit ihren Freunden abhängen wollen.

Dabei übersehenden die Diskutanten gerne, dass nicht jeder so anspruchsvoll ist wie sie. Nicht jeder muss sich bei WoW einen Namen in der Gilde machen, der Tank Nr. 1 für die nächste Raid sein, einen neuen Char innerhalb von 3 Stunden auf Lvl 10 hochreißen. Nicht jeder muss bei D&D alle Regeln beherrschen und das optimale Potential aus dem Charakter rausholen, Module mit beinhartem CR spielen, knapp am TPK vorbeischrammen und am Ende den Sieg feiern. Nicht jeder muss sich bei Vampire tief in den eigenen Charakter hineinversetzen, dessen inneren Konflikt ausspielen und auf die Spitze treiben. Nicht jeder muss flammende Reden in lupenreinem Akrolekt halten, immersiv mit der Spielsituation verschmelzen, intensive Gefühle erleben, sich selbst zu Höchstleistungen anspornen.

Man kann dieses Hobby auch seichter betreiben, und es trotzdem mögen, um der Sache willen. Man kann trotzdem Spaß daran haben, gerne Rollenspieler sein, und nichts vermissen. Ist keine große Sache.
27.6.07 15:01





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